Der spirituelle Hintergrund von SPIRITUS DEI
Unser Weg folgt einer uralten Bewegung, die das Herz der christlichen Mystik bildet: „Vom Funken zum göttlichen Licht."
In der Stille der Schöpfung, so lesen wir in der Genesis, hauchte Gott dem Menschen den „Odem des Lebens" ein (Gen 2,7). Dieser erste Atem war der göttliche Funke in jeder Seele. Die frühen Mönche, die Wüstenväter Ägyptens, zogen sich in die Einsamkeit zurück, um genau diesen Funken in sich wiederzuentdecken. Sie nannten das Ziel ihrer Suche Hesychia – einen Zustand tiefer, unerschütterlicher innerer Ruhe und Stille, in dem allein Gott begegnet werden kann.
Wie aber nährt man diesen Funken? Die Mönche des Hesychasmus, besonders ab dem 12. Jahrhundert auf dem Berg Athos, entwickelten eine geniale Methode. Sie verbanden ihren Atemrhythmus mit dem Jesusgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner." Mit jedem Einatmen, so lehrten sie, sollte der Geist ins Herz hinabsteigen. Diese Praxis, manchmal abfällig „Nabelschau" genannt, war in Wirklichkeit eine hochkonzentrierte Schule der Sammlung. Der Atem wurde zum Gebet, das Gebet zum Atem. Die Flamme begann zu lodern.
Das Ziel all dieser Übungen war keine irdische Erfahrung. Es war die Schau des Taborlichtes – jenes ungeschaffenen göttlichen Lichtes, das die Jünger Jesu bei seiner Verklärung auf dem Berg Tabor sahen (Mt 17,1–9). Die Hesychasten verstanden dieses Licht nicht als etwas Äußerliches, sondern als die innere Erfahrung der reinen Gegenwart Gottes. Wenn der Funke genährt wird, wenn die Flamme brennt, dann kann der Mensch im tiefsten Inneren von diesem göttlichen Licht erfüllt werden.
Die folgenden Atem-Runden laden Sie ein, genau diesen Weg zu gehen:
Runde 1 – Schöpfung: Wir entfachen den Funken des Lebens in uns, den göttlichen Odem, der uns seit der Schöpfung trägt.
Runde 2 – Neuschöpfung: Wir lassen die Flamme wachsen, die uns von innen erneuert und verwandelt.
Runde 3 – Heiliger Geist: Wir öffnen uns für das göttliche Feuer, für jenes Licht, das älter ist als die Welt und das die stillen Herzen der Wüstenväter schon vor 1700 Jahren erleuchtete.
„Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!" – Psalm 150,6